Aktivisten vs. Autofahrer

Die Letzte Generation und ich - Teil 2

 

Einige Tage später traf ich mich mit Basti in der Stadt zu unserem Interview. Er sprach über seine Motivation, die natürlich aus einer aus seiner Sicht gefährlichen Passivität der Bundesregierung in Sachen Klimaschutz resultiert, außerdem räumte er ein, dass er den Unmut vieler über die Form des Protests der Letzten Generation verstehen könne. Es sei ja auch nicht ihr Ziel, den einzelnen Autofahrer zu treffen, sondern die Politik wachzurütteln. All das klang für mich durchaus nachvollziehbar.


Am meisten beschäftigt hat mich seine Aussage, dass er jedes Mal Angst habe, sich auf die Straße zu kleben. Angst vor Gewalt, Angst davor, dass irgendwann jemand nicht mehr bremst. Immerhin gab es ja schon etliche Situationen, in denen genervte Verkehrsteilnehmer Selbstjustiz übten oder eben auch einfach auf die Aktivisten draufhielten. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wirklich eskaliert?
Hier jedenfalls ist mein Pressetext mit dem ungekürzten Interview:


„Es ist offensichtlich, dass unsere jetzige Lebensweise unsere Lebensgrundlage nachhaltig zerstört“, sagt Bastian. Er ist Mitglied der Letzten Generation und hat sogar sein Studium in Göttingen unterbrochen, um auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen.


Aus seiner Sicht läuft die Klimapolitik der Bundesregierung ziemlich schief, die Emissionen steigen weiter, das Bundesverfassungsgericht hat sogar entschieden, dass bestimmte Gesetze sogar verfassungswidrig sind. Darauf möchten er und die Letzte Generation aufmerksam machen, das ist der Grund, warum Bastian und andere sich unter anderem auf Straßen kleben, um Aufmerksamkeit zu erregen.

 

 

„Wenn ich auf die Straße gehe und mich dort festklebe, dann weiß ich, dass es eine Straftat darstellen kann“, erläutert er die Methoden, „aber wir stehen mit Namen und Gesicht dazu, was wir tun und entziehen uns auch nicht der Justiz.“ Das erste Mal auf die Straße geklebt hat er sich im vergangenen Herbst in Berlin, erzählt er, er habe damals wie heute Angst davor, Angst vor der Gewalt, davor, dass er angespuckt und getreten wird, wie er es schon erlebte, und auch Angst davor, dass irgendwann einmal ein Fahrzeug eben nicht bremst, sondern einfach weiterfährt.


Adressat sind für ihn und andere Aktivist*innen eindeutig die Verantwortlichen in der Politik, die sich trotz Protesten von Fridays for Future und anderen nicht an ihre eigenen Gesetze sowie das Pariser Klimaabkommen hält. Dies wird viel Leid für unzählige Menschen auf der Welt nach sich ziehen, so seine Auffassung, insbesondere für nachfolgende Generationen, so dass jetzt dringend etwas passieren muss.

 

 

Ob es richtig ist, dies mit allen gewaltfreien Mitteln durchzusetzen, darüber kann und muss diskutiert werden. Für Bastian ist es richtig, weil alle anderen Formen des Protests nichts gebracht haben und seine Generation die letzte ist, die noch etwas tun kann. Für andere sind die Blockaden auf den Straßen vor allem ein Ärgernis. „Protest ist nicht schön“, sagt Basti dazu, er soll ja stören und aufrütteln.


Soweit also der Pressetext, der mich im Nachhinein doch nachdenklich machte. Bei mir hat er eindeutig für mehr Verständnis für die „Klimakleber“ gesorgt, weil ich jetzt nachvollziehen kann, was sie antreibt. Ebenso war mir aber auch klar, dass eine solche Veröffentlichung einige Kommentare nach sich zieht, vor allem eben nicht nur zustimmende.


Darauf war ich vorbereitet, nahm mir fest vor, sie auf meinem Youtubekanal, aber auch auf der Facebookseite des Eseltreiber, wo zumindest der Link zum Text und zum Interview erscheinen würde, alle zu beantworten. Das gelang mir letztlich nicht, doch dazu gibt es erst demnächst mehr.

 

Fortsetzung folgt...