Schlechte Nachrichten machen krank

Konstruktiver Journalismus - Teil 1

 

„Nachrichten gucke ich gar nicht mehr, das ist mir zu grausam, was heute alles in der Welt passiert.“ Diesen Satz habe ich in den letzten Jahren immer häufiger gehört. Aus einem ersten Impuls heraus will ich dann immer antworten: Wenn du die Nachrichten nicht schaust, passieren die schlimmen Dinge aber trotzdem. Selbst wenn die Medien nicht über Kriege, Katastrophen und Ungerechtigkeiten berichten, macht das die Welt leider kein Stück besser.


Sicher, es ist die Pflicht von Journalisten, über das zu berichten, was in der Welt passiert. Aber passieren denn wirklich nur schlimme Dinge? Passieren in der Welt mehr negative Dinge als positive? Vielleicht schon, das weiß ich nicht, doch auf jeden Fall nicht in dem Maße wie es sich in den täglichen Nachrichten widerspiegelt. Also könnten die Medien somit doch einen Einfluss darauf haben, wie wir die Welt wahrnehmen und letztlich darauf, wie wir uns in dieser Welt fühlen.

 

 

Wenn uns Medien immer wieder unterschwellig sagen, dass die Welt schlecht ist und wir nichts dagegen tun können, macht uns das passiv, unsicher und ängstlich. Bekommen wir aber gezeigt, dass wir etwas tun können, bewirkt das bei uns im Gehirn, dass wir uns lösungs- und zukunftsorientierte Fragen stellen und aktiv werden. So sieht es jedenfalls die Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Maren Urner, die zum Thema Informationsverarbeitung und konstruktiver Journalismus forscht und auch Bücher zum Thema veröffentlichte.


Doch was genau bedeutet eigentlich konstruktiver Journalismus? Es sind platt gesagt Nachrichten, die nicht nur ständig den Weltuntergang prognostizieren, sondern Wege darstellen, mit Krisen und Herausforderungen fertig zu werden, also die Frage stellen, wie es weitergehen kann. Vor allem in der Anfangszeit der Pandemie wurde das auch in großen Redaktionen immer populärer, weil Leser, Hörer, Zuschauer irgendwann keine neuen Schreckensmeldungen mehr wollten.


Bei Nachrichten, die veröffentlicht werden, spielt (ganz theoretisch) eine Rolle, welche Relevanz sie haben, ob es eine Neuigkeit ist, ob die Information einen Nutzen hat und auch, ob es Menschen bewegt. Dabei sollen Journalisten kritisch sein, keine Frage, außerdem klicken sich Schreckensmeldungen nun mal besser als andere. Gerade Letzteres sorgt dafür, dass Schlagzeilen (ganz platt ausgedrückt) immer reißerischer und angsteinflößender werden.

 

 

„Studien bestätigen, dass Medien häufig die Welt als einen schlechten Ort darstellen“, sagt der Journalist Mirko Drotschmann im Medienmagazin „Zapp“. Dies führe dazu, dass manche Menschen bestimmte Sachverhalte negativer einschätzen, als sie in der Realität sind. Außerdem verursache der Konsum solcher Nachrichten bei uns Stress. Das bestätigen ja auch die Forschungen von Maren Urner.


Ist konstruktiver Journalismus denn nun die Lösung? Ja, sagt Drotschmann, eine Studie zeige, dass Nachrichten für einige so wieder attraktiver werden, dass sich die Nutzungsdauer erhöht und es weniger Hasskommentare gibt.

 

Fortsetzung folgt...